
About
Myriam de Wurstemberger (*1981) ist freischaffende Künstlerin und lebt in Bern. Sie schloss ihr Bachelorstudium in Bildender Kunst an der Hochschule der Künste Bern ab (2012). Ihre Arbeiten wurden unter anderem 2025 von der Kulturförderung der Stadt und des Kantons Bern sowie 2023 von der Berner Design Stiftung ausgezeichnet.
De Wurstemberger entwickelt ihre Arbeiten ausgehend vom Objekt. Sie kreiert Skulpturen aus Materialien, deren Eigenschaften wir aus dem alltäglichen Gebrauch kennen, und kombiniert diese gezielt so, dass ihre gegensätzlichen Qualitäten irritieren, berühren und neue Bedeutungsräume öffnen. Textile Techniken wie Stricken, Häkeln, Flechten oder Knüpfen treffen auf harte Materialien wie Keramik, Stein, Metall und verbinden handwerkliche Präzision mit künstlerischer Setzung.
Die Objekte bleiben jedoch nicht statisch. Sie werden weitergeführt, aktiviert und im Raum erprobt. In performativen Settings, Installationen oder filmischen Arbeiten untersucht de Wurstemberger ihre eigenen Skulpturen durch Bewegung, Inszenierung und körperliche Handlung. Das Objekt wird dabei nicht nur gezeigt, sondern genutzt, bespielt und in seiner Wirkung erforscht.
Mit Werken wie SAFE SPACE (2023) wird dieser Ansatz deutlich: Ein textiles Kostüm, besetzt mit 24‘000 nach aussen gerichteten Messingnadeln, funktioniert zugleich als Skulptur, als schützende und verletzliche Hülle und als performatives Instrument. Seine vollständige Wirkung entfaltet sich erst in der Bewegung – in der Live-Performance und im Video.
Ein zentrales Element ihrer Arbeiten ist die Einbindung des Publikums. Viele Werke entstehen erst durch Berührung, Aktivierung oder Interaktion und verschieben die Rolle der Betrachtenden hin zu Mitwirkenden. Dadurch werden Spannungsfelder wie Nähe und Distanz, Schutz und Verletzlichkeit, Anziehung und Abwehr unmittelbar erfahrbar.
Die Verbindung von vertrauten Materialien, körperlicher Handlung und situativer Erfahrung schafft Arbeiten, die sowohl formal präzise als auch sinnlich zugänglich sind. Mit einer Mischung aus Irritation, Humor und materieller Präsenz verhandelt de Wurstemberger Fragen zu Körperbildern, gesellschaftlichen Zuschreibungen und den Widersprüchen menschlicher Existenz.